Andacht

Andacht

Liebe Leser,

was kann nicht alles passieren? Ich kann schwer krank werden, ich kann verlassen werden von geliebten Menschen, ich schwebe ständig in Gefahr, mir unheilbaren, körperlichen  Schaden zuziehen, ich kann mein Geld verlieren, ich kann mir alles Schlechte und Furcht einflößende vorstellen. Und das macht Angst. Die kann mich bestimmen und fesseln. Genau das ist die Form von Unglauben, die in unserer Jahreslosung angesprochen wird.  

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Das ruft ein verzweifelter, gequälter Vater, dessen Kind vermutlich Epilepsie hat. Er sieht die Krankheit und wie sie sein Kind verfolgt. Und er hat Sorge und Angst um sein Kind. Natürlich hat er das! Aber es bedeutet bei ihm auch, dass er diesen Ängsten unterliegt und sie um sich greifen lässt. Sie bedrohen sein Vertrauen und seinen Glauben. Sein Lebensmut leidet.

Jesus sieht das. Alle Dinge sind möglich, wenn einer glaubt. Das sagt er ihm. Und sticht in die Wunde des Vaters, der mit seinem Glauben ringt.

Und da kann er nicht mehr anders als seine Angst laut herauszuschreien: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Anders gesagt: ich will ja Vertrauen haben, aber es fällt mir so schwer, wenn ich mein krankes Kind sehe. Das macht doch keinen Sinn. Darf er nicht einfach nur leben, bitte?

Jeder würde das wohl für sein Kind wollen. Und trotzdem sieht Jesus zuerst die Glaubenskrise an. Dann fragt er den Vater wie ein Arzt bei der Anamnese nach dem Kind. Aber eigentlich fragt er den ihn selbst: wie lange zweifelst du schon? Von Kindesbeinen an, lautet die Antwort. Der Vater meint das Kind. Jesus meint wohl den Vater. Er heilt dann das Kind, aber zunächst heilt er das angebrochene Vertrauen des Vaters. Das ist die erste Heilung! Denn er hatte ihn bei diesem Schrei dazu gebracht, dass er den Glauben vor den Unglauben setzt. Ich glaube, aber da ist auch viel Unglaube. Doch der ist jetzt zweitrangig. Ich glaube, Jesus! In der Reihenfolge ist der Anfang gemacht. Der Glaube hatte den Vorrang zurückbekommen. Hat wieder die Führung im Denken des Vaters übernommen. 

Jesus nimmt das Kind (und) das Vertrauen des Vaters nach der Heilung an die Hand.

So kehrt der Vater mit seinem gesunden Kind ins Leben zurück. Und so kann auch ich gehen. An der Hand Gottes, die um meine strauchelnden Schritte weiß. An mir ist es, sie festzuhalten. Ich darf an allem zweifeln, auf der Grundlage eines festen Glaubens.

Das wünsche ich uns im neuen Jahr 2020!

Ihre Pfarrerin
Friederike Kaltofen