Andacht

Andacht

Liebe Leser,

öffne deinen Mund für den Schwachen, für das Recht aller Schwachen!  Das steht im Buch der Sprüche im Kapitel 31 und ist der Monatsspruch für den Monat Mai. Und das ist genauso passiert. In Pödelwitz am 21.01.2021.

Es ist eine moderne Version der David-und-Goliath-Geschichte aus dem Alten Testament. Niemand hätte es dem kleinen Schafhirten mit der Harfe zugetraut, dass er etwas ausrichten kann. Der große Goliath hatte alle Vorteile. Das ist normal in der Welt. Der biblischen und auch der heutigen.

Die Kleinen waren die Pödelwitzer im Blick auf die riesige Aufgabe, die vor ihnen lag. Nämlich in ihrem Ort, in der Heimat zu bleiben und alles dafür zu tun, um ihr Zuhause nicht begraben lassen zu müssen. So viel Zeit, Kraft und Wege sind da gegangen worden. Immer mehr Mut hat die Oberhand gewonnen. Eben wie bei David. Und das Recht auf Heimat kann nun ausgebaut werden, im wahrsten Sinne des Wortes.

Dieses Dorf wird und kann wieder aufleben. Mit verschiedenen Ideen und Konzepten des neuen Vereins „Pödelwitz hat Zukunft“ gehen wir in diese Zukunft. Dabei brauchen wir nach wie vor Kompromissbereitschaft, Hilfe und Unterstützung. Und natürlich auch die finanziellen Mittel. Zwei Ziele für Pödelwitz sind dabei schon konkreter geworden: Ein Betreuungszentrum für Autismus-Spektrum-Störung bei Kindern und Jugendlichen. Ein Wohnkomplex, der dem hohen Bedarf dieser Plätze entgegenkommt und Arbeitsplätze generiert. Die dringend nötige Orgel- und Innensanierung des Kirchraums. Und die Gewinnung der ehemaligen Kirchschule daneben als multifunktionaler Raum und Scharnierstelle zwischen Kirche und Autismuszentrum. Es ist gedacht als kleiner Pensionsbetrieb für die Eltern der Kinder aus dem Behindertenzentrum. Für Bildungsarbeit im Bereich Umwelt und Braunkohlegeschichte von Schulklassen. Für Orgeltage und Chorlager. Für die Erinnerung an abgebaggerte Dörfer, die im Haus überall zu sehen sind. Und damit dieses Haus ein Ort für Menschen sein kann, die ihre Heimat unwiderruflich verloren haben.

Das sind im Moment noch Ideen, die sich noch verändern können und auch abhängig von den Entwicklungen um den Ort sind. So vieles ist möglich und kann entstehen, wenn sich Menschen entschließen, das Recht der Kleinen zu verteidigen. In diesem Sommer dürfen wir das feiern und Gott dafür danken am 11. Juli. Wie schön, dass es noch Wunder gibt!

Eine gute und gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Friederike Kaltofen